Marode Liebe

 

Ich habe die etwas seltsame Angewohnheit, dass ich Krimis nur im Herbst und Winter lesen kann. Wenn draußen Eisregen fällt und die Rolladen klappern, bin ich bereit, für Mord und Totschlag, meine Kuscheldecke und einen Tee. Bei Gone Girl war es etwas anders, das Buch habe ich beim letzten Strandurlaub im Hotel gefunden. Sein Vorbesitzer hatte es dort zurück gelassen. Und weil ich wusste, dass es auf der Bestsellerliste steht, habe ich mich rangemacht an die Story um Amy und Nick und ihre kaputte Ehe.

Die beiden sind seit fünf Jahren verheiratet und stehen vor einem ziemlichen Scherbenhaufen. Jobs durch die Medienkrise verloren, ein Umzug von New York aufs Land, um die alten und kranken Eltern zu pflegen, ständiger Streit und deprimierender Alltag. Die Sache kommt ins Rollen, als Amy eines Tages verschwunden ist. Alles sieht nach einem Überfall aus, das Wohnzimmer ein Trümmerfeld, das Bügeleisen noch an. Verdächtigt wird: Trommelwirbel, der Ehemann! Na klar, wer sonst, will man sich fast fragen. Aber das wäre ja zu einfach.

Was als spannende Story beginnt und mich in den ersten Stunden ziemlich mitgerissen hat, fängt leider irgendwann an, vor sich hinzudümpeln und zu nerven. Erzählt wird jeweils aus Amys und Nicks Sicht, nach und nach kommen haarsträubende, aber zum Teil auch an den Haaren herbeigezogene Details an Licht. Ich bin als Leser gerne Voyeur, lasse mich in so eine fatale Konstellation reinziehen, zudem ist es locker geschrieben. Doch irgendwann setzt bei diesem Buch der Punkt ein, an dem man denkt: Och nöö, jetzt wird’s albern!

Ich bin keine Krimi-Expertin, aber es muss doch bessere Thriller geben als diesen hier, der vor allem die Psychoschiene bedient, weniger mit Leichen und Gewalt aufwartet. Aber als Leser bleibt man etwas ratlos zurück am Ende und denkt: Da wollte aber jemand schnell fertig werden! Zudem tun sich an manchen Stellen echt unlogische Momente auf. Einziger Lichtblick sind die netten Umschreibungen der Medienhatz, der sich der verdächtige Nick ausgesetzt sieht. Er tingelt durch verschiedene Talkshows, der Fall bewegt Amerika und vor allem die Crime Formate.

Ansonsten habe ich es gehalten wie der Vorbesitzer im Hotel: Ich habe das Buch an Freunde weitergeleitet, mit der Bitte, es zu lesen und es mir bloß nicht wiederzugeben.

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