Männer auf der Flucht

männerhort

Eine Palette Dosenbier, ein Sofa, ein Fernseher mit Sportprogramm und jede Menge Steckdosen für ihre diversen elektronischen Geräte: Männer sind ja so leicht zufrieden zu stellen! Und ihr Leben könnte so einfach sein, wenn es da nicht die Frauen gäbe – die Connys und Marions dieser Welt, die ihnen ziemlich auf den Zeiger gehen, mit ihrem Baileys-Gegacker und ihrem Shopping-Fimmel. Die logische Konsequenz: Fluchtreflex. Der Mann folgt seinem Instinkt. Er geht in den Keller.

In diesem Fall in den „Männerkeller“, ein Spieleparadies für die dauergenervte Ü40-Fraktion der (Zwangs!)-Verheirateten. Hier gibt es alles, was das Männerherz begehrt, echte Kumpels, Ruhe vor den Ehefrauen und vor allem: Eine große Portion Verständnis und Mitgefühl. Man ist halt unter sich. In diesem Fall sind das Helmut, Eroll, Mario und Lars. Vier Typen, vier Schicksale.

Dieser Männerkeller befindet sich derzeit in der Luisenstraße in Düsseldorf, genauergesagt in der Theaterfabrik, eine Bühne mit Wohnzimmercharme, klingeln, reinkommen, Bier auf die Hand und es sich gemütlich machen. „Männerhort“ heißt das Stück von Kristof Magnusson, das momentan dort gezeigt wird, mittlerweile schon ein Bühnen-Klassiker. Mario-Barth-Humor sagen die einen. Ich finde: Einfach genießen!

Pilot Helmut (Henrik Hübschen) hat den Rückzugsraum im Heizungskeller eines Shopping-Centers mehr oder weniger gegründet und eingerichtet. Regelmäßig schlagen dort nun auch Eroll (Cornelius Kabus) und Lars (Lars Evers) auf, um nicht länger mit ihren Frauen dauershoppen zu müssen. Hinzu kommt noch Brandschutzexperte Mario (Frank Grein), der das Trio erst erwischt, dann aber selbst unter die Gemeinschafts-Kuscheldecke schlüpft. Was zunächst nach einer idealen Lösung aussieht, entwickelt sich mehr und mehr zum Problem, vor allem als unbequeme Wahrheiten ans Licht kommen. Lars versucht das alles über sein dauerklingelndes Zweit- bzw. Drittfon zu überspielen, mit dem er seine Internet-Affäre mit einer gewissen Sonja aus dem Sauerland managt. Eroll wünscht sich eigentlich Frieden mit seiner Conny, stellt sich dabei aber reichlich ungeschickt an. Mario sieht sich dauerhaft unter Druck, seine Männlichkeit zu verteidigen („bist du psychisch oder was?“) und auch Helmut muss sich der Tatsache stellen, dass seine Frau ihm wohl kaum noch die Feinripp-Unterhemden bügeln wird.

2,5 Stunden beste Abendunterhaltung! Aber am Ende wird man bei all dem Klamauk, den Spaßkämpfen und dem Testosteron-Getrommel als Zuschauerin doch ein bisschen nachdenklich: Wieviel Conny braucht der Mann? Ist mancheiner vielleicht besser mit einer shoppingsüchtigen Tussi bedient, weil er dann immer ordentlich auf die Frau schimpfen und  sich vor sich selbst und seinen Kumpels „männlicher“ fühlen kann? Umgekehrt: Ist diese „andere“ Frau, die gerne das Bier zu Hause kalt stellt und schon mal Freundinnen zum Fußballgucken einlädt, für die Helmuts dieser Welt somit grundsätzlich eine Bedrohung und Überforderung?

Ich persönlich habe im Männerhort dazu gelernt. Ich weiß jetzt, was ein One-Hand-Tool ist und fahre gleich morgen in den Baumarkt. Zum Shoppen!

Nächste Termine: 21., 22. und 26. Dezember 2013, jeweils 20 Uhr. Karten: 14,-/10,- Euro. Luisenstraße 120, 40215 Düsseldorf

Fußnote: Den sogenannten „Männerhort“, auch „Männergarten„, gibt es wirklich. Er ist eine Form des so genannten Gender-Marketings. 2003 wurde der erste deutsche Männergarten in Hamburg eröffnet.

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